Zum Hauptinhalt springen

Liebesgedichte: 82 Gedichte, von Goethe bis heute

Von der Redaktion Notre Livre · · 14 Min. Lesezeit

Ein aufgeschlagenes Buch mit einem Liebesgedicht

Ein Liebesgedicht sagt in vier Zeilen, wofür ein Brief eine Seite braucht. Deshalb funktioniert es auf einer Karte, in einer Rede oder als Widmung in einem Buch besser als fast jeder andere Text.

Auf dieser Seite findest du zuerst die großen Klassiker, so wie sie in den Originalausgaben stehen, mit alter Rechtschreibung. Danach folgen Gedichte, die wir für Notre Livre neu geschrieben haben: kurze Zweizeiler, Verse ohne Reim, Gedichte für den Hochzeitstag, für Paare auf Distanz, zum Schmunzeln und für die Tage, an denen Liebe Arbeit ist.

Klassische Liebesgedichte im Originaltext (9)

Alle Texte stammen von Dichterinnen und Dichtern, deren Werke gemeinfrei sind, und folgen der jeweiligen Erstausgabe oder Werkausgabe, wie sie bei Wikisource transkribiert ist. Die alte Schreibweise (Athemzug, Wehmuth) haben wir bewusst nicht modernisiert.

Dû bist mînAnonym, 12. Jahrhundert
Dû bist mîn, ich bin dîn.des solt dû gewis sîn.dû bist beslozzenin mînem herzen,verlorn ist das sluzzelîn:dû muost ouch immêr darinne sîn.

Das älteste bekannte deutsche Liebesgedicht, überliefert in einer Tegernseer Briefsammlung. Sinngemäß: Du bist mein, ich bin dein, dessen sollst du sicher sein. Du bist verschlossen in meinem Herzen, verloren ist das Schlüsselchen: Du musst für immer darin bleiben.

Du bist wie eine BlumeHeinrich Heine
Du bist wie eine Blume,So hold und schön und rein;Ich schau’ dich an, und WehmuthSchleicht mir in’s Herz hinein.Mir ist, als ob ich die HändeAuf’s Haupt dir legen sollt’,Betend, daß Gott dich erhalteSo rein und schön und hold.

Aus dem Buch der Lieder (1827), Zyklus Die Heimkehr. Von Robert Schumann und Franz Liszt vertont.

Im wunderschönen Monat MaiHeinrich Heine
Im wunderschönen Monat Mai,Als alle Knospen sprangen,Da ist in meinem HerzenDie Liebe aufgegangen.Im wunderschönen Monat Mai,Als alle Vögel sangen,Da hab ich ihr gestandenMein Sehnen und Verlangen.

Aus dem Buch der Lieder (1827), Lyrisches Intermezzo. Das erste Lied aus Schumanns Dichterliebe.

Nähe des GeliebtenJohann Wolfgang von Goethe
Ich denke dein, wenn mir der Sonne SchimmerVom Meere strahlt;Ich denke dein, wenn sich des Mondes FlimmerIn Quellen mahlt.Ich sehe dich, wenn auf dem fernen WegeDer Staub sich hebt;In tiefer Nacht, wenn auf dem schmalen StegeDer Wandrer bebt.Ich höre dich, wenn dort mit dumpfem RauschenDie Welle steigt.Im stillen Haine geh’ ich oft zu lauschen,Wenn alles schweigt.Ich bin bei dir, du seyst auch noch so ferne,Du bist mir nah!Die Sonne sinkt, bald leuchten mir die Sterne.O wärst du da!

Fassung der Ausgabe letzter Hand (1827). Das schönste Gedicht über Sehnsucht auf Entfernung, bis heute.

Willkommen und Abschied (3. und 4. Strophe)Johann Wolfgang von Goethe
Dich sah ich, und die milde FreudeFloß von dem süßen Blick auf mich;Ganz war mein Herz an deiner SeiteUnd jeder Athemzug für dich.Ein rosenfarbnes FrühlingswetterUmgab das liebliche Gesicht,Und Zärtlichkeit für mich – Ihr Götter!Ich hofft’ es, ich verdient’ es nicht!Doch ach schon mit der MorgensonneVerengt der Abschied mir das Herz:In deinen Küssen, welche Wonne!In deinem Auge, welcher Schmerz!Ich ging, du standst und sahst zur Erden,Und sahst mir nach mit nassem Blick:Und doch, welch Glück geliebt zu werden!Und lieben, Götter, welch ein Glück!

Fassung der Ausgabe letzter Hand (1827). Die beiden letzten Verse gehören zu den meistzitierten Liebeszeilen der deutschen Sprache.

MondnachtJoseph von Eichendorff
Es war, als hätt’ der HimmelDie Erde still geküßt,Daß sie im BlütenschimmerVon ihm nun träumen müßt’.Die Luft ging durch die Felder,Die Aehren wogten sacht,Es rauschten leis die Wälder,So sternklar war die Nacht.Und meine Seele spannteWeit ihre Flügel aus,Flog durch die stillen Lande,Als flöge sie nach Haus.

Kein Liebesgedicht im engen Sinn, aber das berühmteste Bild der Romantik für Sehnsucht: der Himmel, der die Erde küsst. Von Robert Schumann vertont.

Liebes-LiedRainer Maria Rilke
Wie soll ich meine Seele halten, daßsie nicht an deine rührt? Wie soll ich siehinheben über dich zu andern Dingen?Ach gerne möcht ich sie bei irgendwasVerlorenem im Dunkel unterbringenan einer fremden stillen Stelle, dienicht weiterschwingt wenn deine Tiefen schwingen.Doch alles was uns anrührt, dich und mich,nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.Auf welches Instrument sind wir gespannt?Und welcher Spieler hat uns in der Hand?O süßes Lied.

Aus den Neuen Gedichten (1907). Ein beliebter Text für Trauungen.

Ein LiebesliedElse Lasker-Schüler
(Dir, Sascha – Dir)Aus goldenem OdemErschufen uns Himmel.O, wie wir uns lieben …Vögel werden Knospen an den Ästen,Und Rosen flattern auf.Immer suche ich nach deinen LippenHinter tausend Küssen.Eine Nacht aus Gold,Sterne aus Nacht …Niemand sieht uns.Kommt das Licht mit dem Grün,Schlummern wir;Nur unsere Schultern spielen noch wie Falter.

Aus den Gesammelten Gedichten (1917).

Ich habe dich so liebJoachim Ringelnatz
Ich habe dich so lieb!Ich würde dir ohne BedenkenEine Kachel aus meinem OfenSchenken.Ich habe dir nichts getan.Nun ist mir traurig zu Mut.An den Hängen der EisenbahnLeuchtet der Ginster so gut.Vorbei – verjährt –Doch nimmer vergessen.Ich reise.Alles, was lange währt,Ist leise.Die Zeit entstelltAlle Lebewesen.Ein Hund bellt.Er kann nicht lesen.Er kann nicht schreiben.Wir können nicht bleiben.Ich lache.Die Löcher sind die HauptsacheAn einem Sieb.Ich habe dich so lieb.

Aus dem Band Allerdings (1928). Zärtlich, komisch und traurig zugleich: der Beweis, dass ein Liebesgedicht nicht feierlich sein muss.

Weitere Klassiker zum Nachlesen (5)

Diese Gedichte sind ebenfalls gemeinfrei und leicht in jeder Gedichtsammlung zu finden. Viele kennt man als Lieder, weil die großen Komponisten der Romantik sie vertont haben.

  • Friedrich Rückert, „Du meine Seele, du mein Herz“: aus dem Zyklus Liebesfrühling, von Robert Schumann als „Widmung“ vertont.
  • Friedrich Rückert, „Liebst du um Schönheit“: das Gedicht, das nur um der Liebe willen geliebt werden will, vertont von Clara Schumann und Gustav Mahler.
  • Friedrich Rückert, „Du bist die Ruh“: zwölf kurze Verse über Frieden und Sehnsucht, von Franz Schubert vertont.
  • Theodor Storm, „Wer je gelebt in Liebesarmen“: aus den Sommergeschichten und Liedern (1851).
  • Johann Wolfgang von Goethe, „Mailied“: „Wie herrlich leuchtet / Mir die Natur!“, das Frühlingsgedicht der jungen Liebe.

Moderne Klassiker wie „Was es ist“ von Erich Fried oder die Liebesgedichte von Mascha Kaléko und Hermann Hesse sind noch urheberrechtlich geschützt. Wir drucken sie deshalb hier nicht ab; du findest sie in den Gedichtbänden der Verlage.

Kurze Liebesgedichte (24)

Zwei bis vier Zeilen, gereimt oder nicht: für Karten, Nachrichten und Zettel. Alle neu geschrieben und frei verwendbar.

Morgens
Du schläfst noch, und ich schau dich an.Genau so fängt mein Glück an.
Zuhause
Zuhause ist kein Haus aus Stein.Zuhause ist, bei dir zu sein.
Zwei Tassen
Zwei Tassen auf dem Küchentisch,die eine leer, die andre frisch.Du bist schon fort, doch bleibt der Duft:Du liegst wie Sommer in der Luft.
Dein Name
Ich schreib deinen Namen ins beschlagene Glasund lächle, wenn er verblasst.Ich kann ihn ja auswendig.
Herzschlag
Leg deine Hand auf meine Brust.Hörst du? Du hast es längst gewusst.
Kompass
Ich hab mich oft verlaufen,in Städten, Jahren, Fragen.Dann kamst du,und alle Wege führten heim.
Leise
Du musst nichts sagen.Ich höre dich auch so.
Regen
Es regnet, und wir bleiben drin.Für uns ergibt der Regen Sinn.
Sterne
Ich zähle keine Sterne mehr,seit du mir zeigst,wie hell ein Lächeln sein kann.
Hände
Deine Hand in meiner Hand:mehr Halt hab ich noch nie gekannt.
Erster Blick
Ein Blick, ein Wort, ein Zögern nur,dann lief sie los, die neue Uhr.
Sonntag
Kein Wecker, kein Plan, nur Kaffee und du.Die Welt da draußen lässt uns in Ruh.
Ja
Ich hab so oft Vielleicht gesagt,zu Jobs, zu Städten, auch zu mir.Bei dir hab ich nicht nachgedacht.Ich sagte Ja. Und blieb bei dir.
Lachen
Wenn du lachst, dann lacht der Raum,und ich glaub an jeden Traum.
Nachts
Wenn ich nachts nicht schlafen kann,rück ich näher an dich ran.
Stille
Mit dir kann ich schweigen,und es ist das schönste Gespräch.
Herbst
Die Blätter fallen, eins, zwei, drei.Mit dir geht jeder Herbst vorbeiwie ein langer, goldner Tag.
Heimweg
Egal, wie spät der Abend war:Der Heimweg mit dir ist wunderbar.
Dein Zimmer
In meinem Herzen ist ein Zimmer,da wohnst du jetzt. Und zwar für immer.
Wunder
Ich glaube nicht an Wunder.Aber an dich.
Gewohnheit
Dass du da bist, ist so normal geworden,dass ich manchmal vergesse,wie unglaublich es ist.
Seite an Seite
Wir gehen nicht vorneweg, nicht hinterher.Wir gehen nebeneinander. Das ist mehr.
Drei Tage
Du warst nur drei Tage fort,und ich hab jedes Wort,das ich dir sagen wollte, gesammelt.
Wind
Der Wind zerzaust dein Haar,und du lachst, wie du immer warst.

Moderne Liebesgedichte ohne Reim (10)

Nicht jede Liebe reimt sich. Diese Gedichte erzählen von kleinen Dingen: Zahnbürsten, Einkaufszetteln, einem Schlüssel im Schloss.

Inventur
Zwei Zahnbürsten.Ein Schlüsselbund mit deinem Anhänger.Deine Jacke an meinem Haken.Ich habe gezählt:Alles, was mir wichtig ist,hat mit dir zu tun.
Was ich meine
Wenn ich sage: Pass auf dich auf,meine ich: Ich liebe dich.Wenn ich sage: Ich hab dir Suppe gemacht,meine ich: Ich liebe dich.Wenn ich nichts sageund nur deine Hand halte,meine ich es am meisten.
Landkarte
Ich kenne dein Gesichtwie eine Landkarte:die Falte vom Lachen,die Narbe vom Fahrrad,den Punkt unter dem Ohr,an dem du am liebsten geküsst wirst.
Bahnsteig
Der Zug fährt an.Du winkst nicht,du legst nur die Hand an die Scheibe.Und ich weiß,dass du zurückkommst.
Einkaufszettel
Niemand schreibt Gedichteüber den Einkaufszettel.Dabei steht da in deiner Schrift:Milch, Brot,und für dich die Erdbeeren,die du so magst.
Zeit
Wir hatten nie genug Zeit.Also haben wir unsdie Minuten geteiltwie Brot.
Mut
Dich zu liebenwar das Mutigste,was ich je getan habe.Dich weiter zu liebenist das Einfachste.
Fenster
Ich sehe aus dem Fensterund sehe nichts.Dann höre ich deinen Schlüssel,und alles hat wieder Farbe.
Gründe
Du hast gefragt, warum ich bleibe.Ich habe keine Antwort gefunden,nur Gründe:deine Stimme,dein Mut,dein Kaffee,du.
Später
Wenn ich alt bin,will ich mich an dich erinnernund dabei neben dir sitzen.

Liebesgedichte zum Jahrestag und Hochzeitstag (12)

Für ein Jahr, zehn Jahre, die Silberhochzeit oder die Goldene Hochzeit. Weitere Glückwünsche findest du bei den Sprüchen zum Hochzeitstag.

Ein Jahr
Ein Jahr, das schneller ging als jedes zuvor,ein Jahr, in dem ich mein Herz an dich verlorund wiederfand, ein bisschen größer.
Zehn Jahre
Zehn Jahre und kein bisschen leiser:Wir lachen lauter, lieben weiser.
Unser Tag
Heut vor so vielen Jahrenhast du Ja zu mir gesagt.Ich hab seitdem erfahren,was Liebe alles wagt.
Ringe
Der Ring ist dünner geworden,vom Spülen, vom Gärtnern, vom Halten.Er ist nicht mehr neu.Er ist unser.
Silber
Fünfundzwanzig Jahre, silbern und noch hell,manche Jahre langsam, viele viel zu schnell.Ich würde jedes wieder wählen,um es noch einmal mit dir zu erzählen.
Gold
Fünfzig Jahre Hand in Hand,durch Sorgen, Feste, Zeit und Land.Das Gold an euren Händen glüht,doch heller ist, was in euch blüht.
Mehr als am ersten Tag
Ich lieb dich nicht wie am ersten Tag.Ich lieb dich mehr, mit allem, was ich magund allem, was wir überstanden haben.
Kalender
Im Kalender steht ein Kreisum diesen Tag. Doch wer es weiß:Wir feiern eigentlich jeden.
Versprechen
Ich hab dir damals viel versprochenund manches Mal hab ich’s gebrochen:pünktlich sein, nicht schnarchen, still.Nur eins hielt ich: das Ja, ich will.
Das Foto
Auf dem Foto sind wir jungund wissen noch von nichts.Heute wissen wir so vielund würden wieder lachen.
Küchentanz
Heut ist kein Tag wie jeder,heut tanzen wir in der Küche wieder,so wie damals, schief und laut,als ich dich zum ersten Mal angeschaut.
Geblieben
Wir sind nicht mehr die von damals.Wir sind die,die geblieben sind.

Gedichte für die Fernbeziehung (8)

Kilometer
Sechshundert Kilometer,ein Zug, ein Bildschirm, ein Gute Nacht.Und trotzdem bist dudas Nächste, was ich habe.
Derselbe Mond
Du siehst den Mond in deiner Stadt,ich seh ihn hier, ganz rund und satt.Wir schauen beide in die Nachtund haben aneinander gedacht.
Sprachnachricht
Ich höre deine Nachricht dreimal ab,nicht wegen der Worte,sondern wegen des kleinen Lachens am Ende.
Kissen
Dein Kissen riecht noch nach dir.Ich wasche es nicht.Noch zwölf Tage.
Kalenderherzen
Ich streiche Tage im Kalender durchund male Herzen in die letzte Woche.
Zeitzonen
Wenn du aufwachst, schlafe ich ein.Irgendwo in der Mittetreffen sich unsere Gedankenzum Frühstück.
Ankunft
Der Bahnsteig, die Durchsage,und dann du,mit zu viel Gepäck und viel zu wenig Zeit.Ich hab dich nie schöner gesehen.
Bald
Bald ist kein Wort.Es ist ein Versprechen,und ich halte mich daran fest.

Lustige Liebesgedichte (8)

Für Paare, die sich gern necken. Am besten vorgelesen, mit ernstem Gesicht.

Die Decke
Du klaust mir nachts die Decke wegund rollst dich ein, ein warmer Fleck.Ich frier und lieb dich trotzdem sehr,doch morgen hol ich eine zweite her.
Der Koch
Du kochst mit Liebe, das ist wahr,nur leider etwas sonderbar.Ich ess es tapfer, Stück für Stück,denn neben dir schmeckt’s nach Glück.
Die Fernbedienung
Wir teilen Bett und Brot und Haus,nur die Fernbedienung gibst du nicht raus.
Der Socken
Im Flur ein Socken, links, allein,der andre muss im Bett noch sein.Ich hab dich lieb, mein Chaosheld,du bist das Beste auf der Welt.
Die Säge
Du schnarchst wie eine alte Säge,ich lieg daneben, wach und träge.Doch bist du fort für eine Nacht,hält mich die Stille stundenlang wach.
Navi
Du sagst links und meinst rechts,ich fahr im Kreis und lache.Mit dir verfahrenist meine liebste Sache.
Akku
Du machst mein Herz und meinen Akku leer.Ich schreib dir trotzdem, immer mehr.
Morgenmuffel
Vor dem Kaffee bist du ein Bär,danach ein Engel, ungefähr.Drum steh ich jeden Morgen aufund nehm den Bären gern in Kauf.

Liebesgedichte für schwere Zeiten (6)

Nach einem Streit, in einer Krankheit, in einer Woche, in der alles zu viel ist. Diese Verse sagen: Ich bin noch da.

Trotzdem
Wir hatten Tage, grau und schwer,da fiel das Reden uns nicht leicht.Doch nie war zwischen uns so leer,dass deine Hand mich nicht erreicht.
Nach dem Streit
Wir haben beide recht gehabtund beide nicht.Komm her.Recht haben wärmt nicht.
Am Bett
Ich saß an deinem Bettund habe zum ersten Mal verstanden,was in guten wie in schlechten Tagen heißt.
Halt
Wenn alles wankt, halt ich mich festan dir, weil du mich nie verlässt.
Verzeih
Verzeih mir die Worte von gestern.Heute habe ich nur noch eins:Bleib.
Licht im Flur
Auch in der dunkelsten Wochehast du das Licht im Flur angelassen.Für mich.

Ein eigenes Liebesgedicht schreiben

Ein selbst geschriebenes Gedicht muss nicht perfekt sein. Es berührt, weil es nur zu euch passt. So gelingt es:

  1. Fang mit einem Bild an, nicht mit einem Gefühl: zwei Tassen, ein Bahnsteig, ihre Hand am Lenkrad. Gefühle entstehen beim Lesen von selbst.
  2. Schreib zuerst ohne Reim. Wenn sich ein Reim anbietet, nimm ihn; wenn nicht, lass ihn weg. Ein erzwungener Reim klingt schnell nach Glückwunschkarte.
  3. Bleib kurz: Vier bis acht Zeilen reichen. Lies das Gedicht laut und streich jedes Wort, über das du stolperst.
  4. Ende mit einer Wendung: ein überraschendes letztes Wort, ein „Für mich.“, ein „Bleib.“
  5. Schreib es mit der Hand ab. Ein Gedicht auf Papier wird aufgehoben, eines auf dem Handy wird weitergewischt.

Wenn dir mehr als ein paar Zeilen einfallen, wird daraus vielleicht ein Brief: Unsere Anleitung zum Liebesbrief schreiben hilft beim Aufbau. Für den Anfang reicht manchmal auch ein Satz aus unseren Liebessprüchen.

Wann und wie du ein Liebesgedicht verschenkst

  • Zum Valentinstag oder Jahrestag, auf einer Karte zu Blumen oder einem Frühstück.
  • In einer Rede zur Hochzeit oder zum Hochzeitstag: Ein Gedicht von Rilke oder Goethe als Schluss wirkt feierlich, ein eigenes Gedicht persönlich.
  • Als Widmung auf der ersten Seite eines Buches, das du verschenkst.
  • Ohne Anlass, an einem Dienstag. Das sind die Gedichte, an die man sich am längsten erinnert.

Eure Geschichte als Buch

Die großen Dichter haben über ihre eigene Liebe geschrieben. Eure Geschichte verdient dieselbe Sorgfalt: das erste Treffen, die Hochzeit, die Jahre dazwischen.

Bei Notre Livre erzählst du sie einem Erzählbegleiter, schriftlich oder per Sprachnachricht, und daraus wird der Roman eurer Liebesgeschichte oder ein Buch zum Hochzeitstag. Geschrieben wird nur, was du erzählst, nichts wird erfunden, und du liest jede Seite vor dem Druck. Die erste Seite ist kostenlos, und die Widmung am Anfang des Buches formulierst du selbst, in deinen eigenen Worten.

Fragen und Antworten

Was ist das bekannteste deutsche Liebesgedicht?

Das älteste und eines der bekanntesten ist „Dû bist mîn, ich bin dîn“ aus dem 12. Jahrhundert. Sehr bekannt sind auch Heines „Du bist wie eine Blume“, Goethes „Willkommen und Abschied“ und Rilkes „Liebes-Lied“.

Darf ich Gedichte von Goethe, Heine oder Rilke auf eine Karte schreiben?

Ja. Ihre Werke sind gemeinfrei, weil die Autoren seit mehr als 70 Jahren tot sind. Das gilt auch für Ringelnatz und Else Lasker-Schüler. Gedichte von Erich Fried, Mascha Kaléko oder Hermann Hesse sind dagegen noch geschützt; für private Karten ist ein Zitat üblich, für Veröffentlichungen nicht ohne Erlaubnis.

Welches kurze Liebesgedicht passt auf eine Karte?

Ein Zweizeiler wie „Zuhause ist kein Haus aus Stein. / Zuhause ist, bei dir zu sein.“ oder die erste Strophe von Heines „Du bist wie eine Blume“. Kurze Gedichte wirken auf kleinen Karten am besten.

Darf ich die neuen Gedichte von dieser Seite verwenden?

Ja. Alle Gedichte ohne Autorenangabe wurden für Notre Livre geschrieben und dürfen frei für Karten, Reden und Nachrichten verwendet und verändert werden.